Tod den alten Göttern – Roman von Peter TremayneSchwester Fidelma ermittelt im 18. Band der historischen Krimireihe
Lebendiges 7. Jahrhundert: Dass sich Tremayne mit Irland und den Kelten auskennt, beweist er auch im 18. Teil seiner Krimireihe um Schwester Fidelma und Bruder Eadulf.
Seit 1994 schreibt der englische Historiker Peter Berresford Ellis unter dem Pseudonym Peter Tremayne jedes Jahr mindestens ein neues Abenteuer für seine Schwester Fidelma, die zugleich auch die Schwester des Königs von Muman und eine „dáleigh“, also eine Anwältin vor Gericht ist. Obwohl, so ganz stimmt der Titel Schwester dann auch nicht mehr, denn Fidelma war nur kurz Nonne. Inzwischen ist sie mit dem Angelsachsen und ehemaligen Mönchen Eadulf verheiratet und hat einen kleinen Sohn mit ihm. In „Tod den alten Göttern“, dem sage und schreibe 18. Band der Krimireihe, können sich die beiden aber nur kurz an ihrem trauten Familienglück erfreuen, denn ihr neuer Fall führt das Ehepaar nach Tara, dem Sitz des irischen Hochkönigs. Hochkönig Sechnussach wird ermordetIm Jahr 669 geschieht das Unglaubliche auf Tara: Sechnussach, Hochkönig der fünf Königreiche im alten Irland, wird in seinem Bett getötet. Ehe der Mörder allerdings von den Wachen gestellt werden kann, nimmt er sich lieber das Leben. Der Täter ist kein Unbekannter, handelt es sich dabei doch um Dubh Duin, dem Oberhaupt eines einflussreichen Clans, mit dem übrigens auch die Familie des Hochkönigs verwandt ist. Von Anfang an ist klar, wer der Schuldige ist, doch die Frage nach dem Warum steht mitten im Raum. Bevor Sechnussachs Bruder Cenn Faelad als neuer Hochkönig eingesetzt werden kann, müssen zunächst die Hintergründe des heimtückischen Mordes (Sechnussach wurde im Schlaf zuerst ins Herz gestochen und dann die Kehle durchgeschnitten) aufgeklärt werden. Als unabhängige Partei soll deswegen Schwester Fidelma zusammen mit ihren Mann Eadulf in diesem Fall ermitteln. Krimi-Aspekte in „Tod den alten Göttern“In bester Krimimanier nutzt Fidelma im Folgenden ihren messerscharfen Verstand und ihre herausragende Kombinationsgabe, um Schritt für Schritt die Hintergründe der Tat aufzudecken. Dabei spielen aber nicht nur diverse Lieb- und Leidenschaften am Hofe eine Rolle, da auch der Kampf zwischen dem Alten Glauben (Keltentum) und dem Christentum ein zentrales Thema ist. Dank des logischen Aufbaus kann man als Leser jeden dieser Schritte nachvollziehen, doch tappt man bis zum Schluss im Dunkeln, was denn nun wirklich geschehen ist. Erst am Ende deckt Fidelma in einem großartigen Plädoyer während der finalen Anhörung die wahren Hintergründe auf. Klassischer könnte eine Kriminalhandlung gar nicht sein, wurde solch ein Handlungsaufbau doch auch schon von Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle, Edgar Wallace und Co. bevorzugt verwendet. Die wiederum haben ihre Fälle allerdings nie im Irland des 7. Jahrhunderts spielen lassen. Peter Tremayne und die KeltenApropos 7. Jahrhundert – mit dieser Epoche kennt sich Peter Tremayne bestens aus, ist er doch englischer Historiker mit Schwerpunkt Kelten und deren Kultur. Auch wenn es für Menschen unserer Zeit erstaunlich anmutet, dass man damals als Frau durchaus gleichberechtigt war und beruflich sogar Karriere machen konnte, stimmen die Fakten mit der Geschichte überein – ebenso wie der Mord an dem Hochkönig. Dank seiner fundierten Recherchen zeichnet Tremayne so ein recht lebendiges Bild von dem Alltag sowie dem Glauben und der Rechtssprechung im 7. Jahrhundert. Authentizität dank gälischer BegriffeDazu gehört allerdings auch, dass der Autor viele gälische Begriffe verwendet und seinen Bruder Eadulf oft als lateinische Zitatenschleuder zweckentfremdet. Als Leser sollte man sich davon allerdings nicht abschrecken lassen. Zum einen gewöhnt man sich schnell an all die fremd klingenden Namen und Titulierungen, zum anderen werden alle angebrachten Zitate direkt in unsere moderne Sprache übersetzt, wodurch man nicht eine einzige der oft humorvollen Pointen in der Geschichte verpasst. In der Tat kann man ob des Wortwitzes so manches Mal schmunzeln, denn Tremayne ist nicht nur ein guter Historiker – er kann auch gute Romane schreiben. Bleibt nur die Frage, was für Fälle Fidelma und Eadulf in ihren nächsten Abenteuern aufklären müssen. Peter Tremayne: Tod den alten Göttern. Aufbau 2008. Taschenbuch, 421 Seiten. Euro 9,95.
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